Indisches Märchen

Vor zwei Monaten habe ich eine neue märchenhafte Welt betreten. Überall, wo ich hinschaue, sehe ich lachende und glückliche Gesichte. Bei jedem Gespräch, bei jedem Lächeln, bei jedem gemeinsam verbrachten Augenblick kann ich sehr deutlich spüren, wie froh alle sind, dass ich mit ihnen da bin. Vielleicht wird es ihnen nicht bewusst, dass ich nur ein Junge wie viele von ihnen bin, der bis Ende August studiert hat und in seiner Heimat nicht als besonders reich oder berümt gilt. Hier bin ich aber dank meiner unterschiedlichen Hautfarbe und meinem europäischen Ursprung eine Zelebrität, deren Foto alle haben wollen, dessen Lächeln viele glücklich macht, und der alle servieren und das Beste anbieten wollen. Alle sprechen mich als "Sir" an, überall wird mir Respekt und Ehre erwiesen und wenn ich nur für kurze Zeit an einer einfachen Arbeit wie z. B. Fegen teilnehme, wird es für alle Zuschauer eine große Attraktion.

Tagsüber arbeite ich als Lehrer in einer simplen Grundschule für Kinder aus benachbarten Dörfern. Dort unterrichte ich Mathematik und Generelles Wissen und ehrlich gesagt, ist es nicht immer einfach. In einer Klasse kann es bis 70 Kinder geben, die meistens sehr wild und hyperaktiv sind und die zu beherrschen für mich oft eine allzu schwierige Aufgabe ist. Hiesigen Lehrern verhilft zur Autorität eine Holzrute, deren Nutzen ich zwar bislang vermieden habe, aber die of als eine gallopende Herde scheinende Klasse nur mit Schreien zu zähmen kostet mich viel Kraft. Außer der Klassenzimmer kann ihre Energie ungehemmt losbrechen und es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis, ihr unermüdliches Rennen, Ringen und Spielen in der langen Pause zu beobachten. Ich habe es mehrmals versucht, ihnen in dieser Periode ein Spiel beizubringen, meistens bin ich aber gescheitert. Oder besser gesagt, das von mir beabsichte Spiel wurde zu einer der urspünglichen sehr ferne liegender Aktivität geworden, bei der sich aber trotzdem viele sehr gut unterhalten haben und nur ich ein bisschen traurig wurde, weil die Kinder mich wieder einmal entweder nicht verstanden oder die erklärten Regeln einfach nicht halten wollten. Übrigens, einer Gruppe von Kindern, die Ihnen keine besondere Auferksamkeit widmet, English nicht kennt und einander unaufhörlich drängt und schlägt ist eine wahre Herausforderung. Größten Erfolg hat bislang das Spiel "der Zug" gefeiert. Wir haben einfach eine lange Menschenschlange gebildet und sind auf dem Schulhof von einem indischen Stadt zum Anderem gelaufen und auch wenn der Zug immer wieder gebrochen wurde, haben viele Kinder an diesem Spiel großes Gefallen gefunden.

Wenn der Unterricht zu Ende ist, bleibe ich meistens für ein paar Studen mehr, um mit den Kindern, die im dortigen Hostel leben, zu spielen, ihnen beim Lernen zu helfen oder einfach mit meiner Präsenz ihren Tag ein bisschen schöner und heller zu machen. In den letzten Tagen habe ich dort auch mehrmals geschlafen, was allen sehr große Freude bereitet hat.

Andernfalls fahre ich dann mit einem Fahrrad 8 Kilometer zur Pfarrei in Golaghat zurück. Die Reise ist mir ein richtiges Vergnügen, weil ich dabei ein bisschen relaxieren, meine Seele mit dem Blick an die umliegenden schönen grünen Reisfelder ergötzen und in Ruhe nachdenken kann. In der Pfarrei lebe ich zusammen mit zwei anderen salesianischen Patern, einigen Hosteljungen und einer jede drei Monate sich wechselnde Gruppe von technischnen und Hotelmanagement- Auszubildenden zusammen.

Letzten Monat hat die Pfarrei-Golaghat ihr 75-jähriges Platinumjubiläum gefeiert. Da es sich um die älteste Pfarrei der Diözese handelt, hat sich Pater Dilip entschieden, die Feier zu einem großartigen Event zu machen. Auf dem Sportplatz wurde ein riesieger Bambusbau errichtet, der als Zelt und Podium dienen sollte. Vieles wurde neu gestrichen und für die Patronin der Pfarrkirche die heilige Theresia vom Kinde Jesu wurde ein schönes Grotto erbaut. An der Feier haben zwei Bischöfe teilgenommen, mehrere Tausend Leute sind angekommen, es wurde viel getantz, gesprochen, gesungen und all der Menge wurde ein kostenfreies Mittagsessen gegeben. In Kürze eine erfolgreiche Feier. :-) Alles hat aber seinen Preis, und weil die gesamten Kosten bis zu mehreren hundert Tausend Rupien gestiegen sind, hat die Pfarrei einige Schulden gemacht. Wenn man bedenkt, dass es hier erst nach 25 Jahren bei 100-jährigem Jubiläum nächste Feier dieser Größe geben wird, kann man dann die Behauptungen der Einheimischen verstehen, die mir dazu gratulierten, dass ich gerade dieses Jahr gekommen bin.

Schon zwei Monate sind seit meiner Ankunft vergangen und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass mein Leben nie das Gleiche sein wird. Die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich hier jeden Tag sammle, haben für mich den höchsten Wert und beeinflussen stark meinen Charakter. Das Glück der Kinder, wenn ich mit ihnen bin. Das gute Gefühl, das ich etwas Nützliches tue. Gründliche Erforschung meiner guten und schlechten Eigenschaften. Tieferes Verhältnis zum Gott. Neue Kultur, Gewohnheiten, Sprachen, Traditionen, ... Ich bin Gott und allen sehr dankbar, die mir zu diesem Volontariat verholfen haben! Danke für Ihre Gebete, Grüße und Unterstützung - sie geben mir Kraft. Danke schön!

Herzliche Grüße!

Golaghat erreicht

Nach fast zwei Tagen bin ich am Donnerstag um 5 Uhr morgens in Golaghat angekommen! Die Reise war sehr anstrengend, aber auch abenteurlich, erlebnisvoll und interessant. Es war das erste Mal, das ich geflogen bin und nicht nur ein-, sondern gleich dreimal! Zuerst von Prag nach Dubai, dann von Dubai nach Delhi und zuletzt von Delhi nach Guwahati.

Das Flugzeug von Prag war zwar ein bisschen kleiner, aber das Bedienungspersonal war tschechisch und im Preis für den Flugticket war auch Essen und Trinken inbegriffen. Ich war begeister von den wunderschönen Blicken aus der Höhe. Die Dürre der türkischen Berge hat mir die Schönheit der mitteleuropäischen Landschaft wieder einmal lebendig gemacht und ich sah zum ersten Mal mit eigenen Augen ein Meer. Die Gotteschöpfung ist wirklich vielfältig und wunderbar, und ich vergesse es so oft...

In Dubai hatte ich vier Stunden für das Flugzeugwechsel, wenn ich aber eine Stunde weniger gehabt hätte, hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft. Der Flughafen in Dubai ist riesig, es gibt da viele Menschen aus aller Welt und man muss in langen Schlangen stehen. Überdies musste ich noch zu anderem Terminal fahren, der 10 km weit entfernt war. Die einzige Möglichkeit war das Taxiservice, das 18 zwar Dollars gekostet hat, aber brachte mich schnell zum gewünschten Teil des Flughafens. Der Blick vom Flugzeug auf das nächtlichen Dubai war unvergesslich.

Und dann bin ich in Indien gelandet und nach Guwahati geflogen, wo ich leider den ganzen Tag auf die einzige Zugverbindung warten musste. Vom bequemen Sitz eines jetzt viel belligeren Taxis (200 Rupien - d.h. cca 3 Euro) hatte ich die einzigarteige Möglichkeit das indische Leben aus der unmittelbaren Nähe zu beobachten. Die wunderschönen grünen Hügel, der chaotische, aber funktionsfähige Verkehr mit Kühen in der Mitte der Straßen haben mich mit Begeisterung erfüllt. Der Bahnhof in Guwahati war aber nicht mehr so schön. Von allen Seiten versuchten die Rikschafahrer mich für ihren Dienst zu locken, die Bahnhofhalle war voll mit schlafenden und wartenden Passagieren, ich war der einzige Europäer da, konnte oft nut mit sehr großen Schwirigkeiten das indische Englisch verstehen und hatte sogar ein bisschen Bedenken, ob die gerade gekaufte Fahrkarte die richtige ist.

Alles wurde aber zum Guten gewendet und nach den Instruktien eines freundschaftlichen Junges am Bahnhof bin ich in Richtung Salesianer Haus gegangen, das ich nach langem innerlichen Kampf auch betreten bin und wurde so gastfreundschaftlich angenommen, dass dieses positives Erlebnis die vorigen negativen Gedanken fast verdrägt haben. Ich habe gutes indisches Essen bekommen, ein salesianischer Priester hat mir das ganze Komplex gezeigt und mir viel Zeit gewidmet und ich habe bis zum Abend ein eigenes Zimmer bekommen. Noch dazu haben die Salesianer einen Jungen beauftragt, dass er mich und mein Gepäck mit dem Auto zum Bahnhof bringt...

Vor der acht Stunden dauernden nächtlichen Reise hatte ich große Angst, aber - Gott sei Dank! - war sie viel einfacher, als ich hoffte. Ich habe neben einem netten indischen Jungen gessessen, mit dem ich mich unterhalten konnte, in meinem Waggon gab es nicht so viele Leute als ich befürchtete und niemand hat sich um mich gekümmert. Und am Bahnhof in Golaghat habe ich Pater Dilip getroffen, der gekommen ist, um mich abzuholen. Gott sei Dank für alles!

Grüß Gott!

Ich grüße alle meine deutschsprachigen Freunde. Hier finden Sie meine deutschen Berichte aus Indien, die ich regelmäßig hochladen werde. Alles Gute!